Diesen netten Igel habe ich heute in Basel auf dem Flohmarkt entdeckt. Leider nicht in echt, sondern nur als Postkarte. “Wenn ich den hier in echt stehen hätte und 20 CHF dafür verlangte, würde ihn niemand kaufen” bemerkt der Verkäufer. “Schließlich ist er ja auch schon angestoßen,” erwiderte ich scherzhaft. Doch der Igel ist wohl viel mehr wert, denn er ist fast 4000 Jahre alt. Und er kommt aus Ägypten. Fasziniert nahm ich die Postkarte mit (für nur 50 Rappen übrigens) und freute mich über den schönen blauen Igel.
“Gab es in Ägypten wirklich Igel?” fragen wir uns am Abend. Eine kleine Recherche ergibt:
“Der ägyptische Langohrigel ist ursprünglich in der Sahara (Ägypten usw.) beheimatet. Außerdem kommt er auch in der Ukraine, Zapern, Libyen und der Mongolei in freier Wildbahn vor. Er bevorzugt sehr trockene Halbwüsten und Steppen.”
Quelle: www.tiisihedgies.de
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Und was hatte so ein Igel damals zu bedeuten?
Der Igel in der Kulturgeschichte
In Mesopotamien und in Elam, ein altorientalisches Reich auf dem Gebiet des heutigen Iran, wurden Igeln kultisch verehrt. In Ägypten wurden Igelamulette gefunden und aus den Steppen Asiens sind Igelplastiken aus dem 5. und 4. Jh. v. Chr. bekannt. Die alten Griechen hatten mit den Igeln keine Freude. Sie hielten das kleine Tier für den Boten eines nahenden Unglücks. In frühchristlichen Darstellungen galt er gar als Sinnbild des Teufels.Quelle: Igel Apotheke München
Noch viel interessanter wird es, wenn man tiefer in die mythologischen Quellen eindringt. Angelo de Gurbernati schrieb 1872 in seinem Buch “Zoological Mythology”:
“Ein den Arelnloehos beigelegter Vers sagt: woraus das Sprichwort wurde: „Ein Possenst reich des Igels hat mehr zu sagen als viele des Fuchses.” In dem Aitareya Brahmana heisst es von dein Igel, er sei aus der Kralle des rilliberischen Falken geboren. In den äsopischen Fabeln kommt Wolf Ell einem Igel und gratulirt «ich zu diesem Glück ; doch tier irf ee ab. Der Wolf schmeichelt ihm und ersucht ihn, seine Waffen abzulegen, doch jener antwortet, in der Gefahr Kampfes sei es unklug, das zu thun. Daher der verbreitete Glaube, dass der Wolf sich vor dem Igel fürchte; daher »las Spriehwort: JE* ist wehr leicht, den tgd zu finden, aber sehr schwer, ihn zu fassen.” In einer Fabel des Abstemius erscheint der l^el als Feind nicht nur des Wolfes, sondern auch der Schlange; er spicsst die Viper, die sich in seine Hohle gefluchtet hit. Diese bittet ihn, hinauszugehn, er aber antwortet: „Lass den hinausgehu, der nicht bleiben kann.” Der Igel sieht so ans, wie ein kleiner wilder Eber; als Feind des Wolfes und der e scheint er mir den Zwerg Vishnu und den wilden Eher Vishnu, den Vertilger der Ungeheuer, in sieh zu vereinigen; beide nehmen, so viel wir wissen, fast immer in der indischen Mythologie die Gestalt eines Wolfes oder einer Schlange an. Und so ferne Vishnu, wie Indra, ein donnernder und regengebender Gott ist, in seinem Charakter als Sonne in der Wolke oder nächtlicher und herbstlicher Mond, wird auch der Igel für einen Vorboten von Wind und Regen gehalten.”
Quelle:
Angelo de Gubernati.
Die Thiere in der indogermanischen Mythologie.
Aus dem Englischen übersetzt von M. Hartmann. Leipzig, 1874.
digitale Version
Der Igel als Vorbote für Wind und Regen also. Soso… heute Nachmittag hat es dann auch heftig geregnet.
Übrigens ist der Igel eine Fayence, eine mit deckender Zinnglasur überzogene Keramik, und er wohnt heute – zusammen mit einem Frosch, einer Spitzmaus und zwei Nilpferden – im Ägyptischen Museum in Berlin (Beweisfoto hier, weit unten).
Und wer den Igel zu Hause haben möchte kann hier eine Replik bestellen…

Sehr schön, das nenn ich “einem überrraschenden Erstaunen auf den Grund gehen”. Und ich merke wieder, Du hast pädagogisches Talent